Vom Rollstuhlfahren und Müllsammeln

Bürgerliches Engagement und das Auseinandersetzen mit fremden Perspektiven sind Dinge, die nicht nur einer politischen Partei gut zu Gesicht stehen, sondern jedem Menschen.

Am 27.05.2014 lud die Interessengemeinschaft „Behinderte Menschen in Lauenburg e.V.“, kurz: IGBML, die Lauenburger Bürgerinnen und Bürger sowie die Kommunalpolitiker*innen der Stadt zu einer Erfahrungstour der besonderen Art ein.

Der Einladung zu um 17:00 Uhr vor der Sparkasse an der Alten Wache folgte die SPD gerne. Vertreten wurden wir durch die Stadtvertreterin Renate Peters, den Fraktionsvorsitzenden Martin Scharnweber, den Bürgervertreter*innen Anka Festersen und Immo Braune sowie u.a. Bernd Dittmer, der allerdings in erster Linie als Bürgervorsteher teilnahm. Schade war, dass weder die Fraktion der CDU noch das Bündnis90/Die Grünen Vertreter*innen geschickt hatten. Begleitet durch die Presse führte uns Rollstuhlfahrer Nikolaus Noack von der Alten Wache über das Schloss vorbei an der Weingarten Grundschule über die Postkreuzung zurück zur Sparkasse. Auf diesem augenscheinlich kurzen Weg verbrachten wir eine gute Stunde mit den Widrigkeiten unserer Stadt. Eindrücklich wurde uns die Tragweite nicht korrekt abgesenkter Bordsteine, hervorstehender Wurzeln und kurzer Ampelphasen bewusst, von der zu schmalen Breite von Fußwegen im Allgemeinen einmal abgesehen (die häufig trotz alledem für Fahrradfahrer*innen freigegeben sind). Aber auch Zeit für persönliche Gespräche blieb während dieser Fahrt, in denen die Rollstuhlfahrer*innen auf Probe einen unschätzbaren Einblick in das Leben derer gewinnen konnten, die nicht so einfach nach einer Stunde wieder vom Stuhl aufs Fahrrad umsteigen können. Für uns als Menschen sind wir eine wertvolle Erfahrung reicher, für uns als Politiker*innen nehmen wir den Wunsch mit, die Sichtweise von Menschen im Rollstuhl stärker noch als bisher zu berücksichtigen. Dazu gehört auch, die Verwaltung erreichbarer zu machen. Aus der Gruppe der Probefahrer war unser Fraktionsmitglied Immo Braune der einzige, der den „Aufstieg“ bzw. die „Auffahrt“ entgegen des Rates der „Profis“ zum Schloss wagte und feststellen musste, dass Erwartung und Erfahrung hier weit auseinander klafften. Egal, wohin die Reise für die Verwaltung in der Zukunft gehen wird – sie muss für alle Menschen erreichbarer werden. Mit unseren beiden Anträgen zur kommenden Stadtvertretung am 25.06. zur Verkehrsgestaltung machen wir als SPD aber auf jeden Fall bereits einen große Schritt nach vorn zur Verbesserung der Situation aller Verkehrsteilnehmer*innen.

Eine weitere wertvolle Erfahrung sammelte Immo Braune beim Müllsammeln. Als Idee bei facebook in der Gruppe „Lauenburger und Ex-Lauenburger“ durch Mario Scheuermann und Silke Schippmann gestartet, wurde diese Idee erstmals am 7. Juni um 10:00 Uhr am ZOB umgesetzt. Ca. 15 Lauenburger*innen, darunter der Bürgermeister, trafen sich und wurden, von der AWSH ausgestattet, auf die Reise geschickt. Immo Braune sammelte zusammen mit seinem Sammelpartner entlang des Askanierrings, Fürstengarten und Altstadt Müll. Am erschreckendsten für Immo war die Situation im Fürstengarten: Jede Menge Bierdeckel, Trägerpappen und am Zigarettenstummel. Besonders die schiere Menge an Stummeln war ein Graus: Sie sind nicht nur Gift für die Umwelt, sondern auch eher schwer aufzusammeln. Am Askanierblick wurden viele in den Mülleimern entsorgt, und somit musste nur eine überschaubare Anzahl per Hand gesammelt werden. Im Fürstenagrten jedoch konnte davon keine Rede sein. Insbesondere im „Rosengarten“ fehlten Mülleimer an den Bänken, so wie im ganzen Fürstengarten. Die besondere Ästhetik dieses Parks geht dadurch leider gänzlich verloren. Die SPD-Fraktion wird sicher daher dafür einsetzen, dass im Fürstengarten mehr Mülleimer aufgestellt werden, um der Stummel- und Korkenflut Einhalt zu gebieten. Der Garten sollte nicht nur von den Menschen genutzt, sondern auch sauber gehalten werden können.

Unser Fazit aus diesen beiden Aktionen ist, dass man sich immer wieder mit seiner eigenen Stadt, die man so gut zu kennen meint, auseinander setzen muss. Ebenso sollte man, wenn möglich, offenen Auges durch die Straßen gehen bzw. fahren und sich im Zweifelsfall auch mal die Hände schmutzig machen. Veränderung kommt nicht von allein. Veränderung muss angepackt werden, und wenn jeder seinen Teil dazu beiträgt, wird es für den einzelnen leichter. Die SPD wird sich jedenfalls auch weiterhin für die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger einsetzen und regelmäßig versuchen, ihren Blick zu schärfen.